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Europäer "erfanden" die Technik erst acht Jahrhunderte später

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sci.news / steppenwolf (23.04.2008)

Älteste Ölmalereien der Welt in Afghanistan entdeckt

Europäer "erfanden" die Technik erst acht Jahrhunderte später

Mit Hilfe von Teilchenbeschleunigern konnte ein internationales Forscherteam Trockenöle in den Wandmalereien nachweisen - Foto © National Research Institute for Cultural Properties Tokyo
ZoomZoom   Foto © National Research Institute for Cultural Properties Tokyo
Mit Hilfe von Teilchenbeschleunigern konnte ein internationales Forscherteam Trockenöle in den Wandmalereien nachweisen
Grenoble (pte) - Als Erfinder der Ölmalerei galten bisher die Europäer, die diese Kunst im 15. Jahrhundert entdeckt haben sollen. Dass dem offenbar nicht so ist, haben Wissenschaftler der European Synchrotron Radiation Facility (ESRF) herausgefunden. Im Jahr 2001 waren in der afghanischen Region Bamian zwei Buddhastatuen von den Taliban zerstört worden. In den dahinter befindlichen Höhlen, die reich mit Zeichnungen aus dem fünften bis neunten Jahrhundert verziert sind, haben die Forscher nun Reste von Ölfarben nachweisen können - und damit wäre diese Technik mehrere Jahrhunderte älter, als angenommen. Die Gemälde, die auf das siebente nachchristliche Jahrhundert datiert wurden, zeigen Buddhas in roten Gewändern, die mit überkreuzten Beinen zwischen Palmen und mythologischen Wesen sitzen.

Forscher vermuten, dass es sich bei den Malerein von Bamian um die ältesten Ölgemälde der Welt handelt - Foto © National Research Institute for Cultural Properties Tokyo
ZoomZoom   Foto © National Research Institute for Cultural Properties Tokyo
Forscher vermuten, dass es sich bei den Malerein von Bamian um die ältesten Ölgemälde der Welt handelt
In Kooperation mit japanischen und US-amerikanischen Kollegen haben die französischen Wissenschaftler mithilfe von Infrarot-Mikrospektroskopie, Röntgenabsorptionsspektroskopie und Röntgenbeugung Proben aus den Bamian-Höhlen untersucht. Dabei konnten sogenannte Trockenöle identifiziert werden, mit denen die Bilder angefertigt wurden. Die Bilder bestehen aus verschiedenen dünnen Schichten, erklärt Marine Cotte vom Centre Nationale de la Recherche Scientifique (CNRS), es sind aber auch verschiedene anorganische Pigmente benutzt worden, die man in organische Bindemittel mischte. Zur Analyse jeder einzelnen Schicht sei es nötig gewesen mit Strahlen aus einem Teilchenbeschleuniger und der Kombination unterschiedlicher radiologischer Techniken zu arbeiten.

Die Wissenschaftler konnten so eine große Bandbreite an Pigmenten und Bindemitteln nachweisen. Während einige Schichten der Bilder aus Öl bestanden, enthielten andere natürliche Harze, Eiweiße und verschiedene Gummisorten. Die Forscher vermuten, dass die altertümlichen Maler das Öl aus Walnuss- oder Seegrassamen gewonnen haben und für die eiweißhaltigen Schichten Eier oder Hautleim, der aus dem Bindegewebe tierischer Häute gewonnen wird, benutzt haben. Auch große Mengen Bleiweiß seien verwendet worden. "Das ist das früheste eindeutige Beispiel für Ölmalerei auf der ganzen Welt", ist sich Teamleiter Yoko Taniguchi vom japanischen National Research Institute for Cultural Properties sicher. "Zwar haben die alten Römer und Ägypter schon Trockenöle gekannt, sie aber meist nur zu medizinischen und kosmetischen Zwecken gebraucht." Die internationale Forschergruppe nimmt an, dass die Malereien von Künstlern geschaffen wurden, die auf der Seidenstraße, einer alten Handelsroute, von der zentralasiatischen Wüste gen Westen gereist sind.

Quelle: Pressetext