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net.news / steppenwolf (14.01.2007)

Wem kannst du vertrauen?

In Berlin fand vom 27.12 - 30.12 der Chaos Communications Congress des Chaos Computer Clubs statt. Die "europäische Hacker-Party" jährte sich dieses Jahr zum 23. Mal und wie in Hacker-Kreisen üblich wurde dieser speziellen Zahl ein extra Rahmen gewidmet. 

23C3: Who can you trust?
Die Eröffnungsrede hielt schon fast traditionell Tim Pritlove. Er stellte das Motto "who can you trust" vor und erklärte organisatorische Dinge. Aber er rief auch auf, dass Hacker sich nicht als abgehobene Elite verstehen dürfen, sondern die "reale Welt" nicht aus dem Blick verlieren dürfen und aufklären sowie sich engagieren müssen.

Anschliessend hielt John Perry Barlow, ehemaliger Song-Schreiber der Deadhat-Band Grateful Dead, Hippie und Acid-Freak sowie Gründer der Electronic Frontier Foundation die Keynote-Rede, in der er das Motto mit der Vertrauensfrage aufnahm.

Der "grössten Gruppe von Leuten, die C-Code schreiben können", die er je vor 12 Uhr gesehen hat, schilderte er die Geschichte seines Lebens vom Farmer aus einem Dorf in Wyoming zum Free Speech-Aktivisten. Diesen Teil des Talks hielt er schon auf der "Fulbright Chair Speaker Series" mit dem Ebenfalls auf dem Congress gesichteten John Gilmore, deren Audio-Mitschnitt wirklich sehr unterhaltsam und interessant ist.

Es folgten weitere Stories über LSD, Ethik, das Internet, Medien, Vertrauen und Anarchie. Ein beliebter Vergleich von ihm ist, dass er 1989 vor den "Desperados" Acid Phreak und Phiber Optik mehr Angst hatte als zu Grateful Dead-Zeiten in Polizeigewahrsam auf Acid. Ebenfalls empfand er das Berliner Congress Center als einen "Mix aus Acid und Kommunismus", in dem er permanent das Gefühl habe, abzuheben.
Eins seiner moderateren Ziele im Leben ist es, Massenmedien "zu eliminieren". Er stellt jedoch mehr und mehr fest, dass diese das schon von selbst tun und er im Endeffekt nur den Ruhm, dafür einpacken muss.

"Rettet das Internet"
Das Motto "wem kannst du vertrauen?" griff Barlow auf, um an den Saal voller Hacker selbst zu appelieren. Das wundervolle Internet wird durch "Krankheiten" wie Spam und Viren, Identitätsdiebstahl und Phishing "getötet". Für ihn sind solche Verbrechen von "Redefreiheit" gedeckt, ethisch jedoch absolut verwerflich. Früher hätten Hacker, die solche unethischen Dinge tun, andere Hacker mehr zu fürchten gehabt als Strafverfolgungsbehörden. Auch im Publikum von seinem Talk sassen seiner Einschätzung nach Viren-Schreiber und Spammer, aber das ist eine Minderheit und er fragt sich wie zur Hölle man so etwas tun kann. Er rief alle Anwesenden auf, aktiv zu werden, etwas dagegen zu unternehmen und "das Internet zu retten!"

Als Anarchist verglich er das "anarchistische Internet" mit dem alternativen, selbstorganisierten Festival Burning Man, wo Menschen jedes Jahr Teile des Internet nehmen und, wie von Tim angemahnt, "in die reale Welt übertragen", und dies recht erfolgreich. Nach Hurricane Cathrina waren in New Orleans die ersten Leute noch vor der Armee, die Suppenküchen aufbauten und halfen, jene, die direkt vom Burning Man dahin gefahren sind. Selbstorganisation funktioniere wunderbar und er glaubt immer noch, dass eines Tages "Regierungen, wie wir sie kennen" überflüssig werden. Es wird nur schwieriger und er wird dies nicht mehr in seiner Lebenszeit erleben.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel '23C3: Who can you trust?' aus der weltweite Plattform unabhängiger Medienorganisationen 'de.indymedia.org' und steht unter der Creative-Commons-Lizenz. Ein Autor wurde nicht angegeben.