Die Welt ist bizarr
"Die Welt ist bizarr" meint der britische Quantencomputer-Experte David Deutsch. Sagen durchgeknallte Heilige und erleuchtete Verrückte doch schon lange. So wie Hermann Hesses Alter Ego Harry Haller alias Steppenwolf. Dieser befindet sich am Ende eines heftigen Entwicklungsprozesses, der ihn von seiner sozialen Umgebung und sogar von sich selbst entfremdet hat – oder besser gesagt von dem, was er bis dahin für sein Selbst gehalten hatte. Sein Weg zwischen Tod und einsamer Erkenntnis ist wohl ziemlich genau das, was der Sufismus als "Tod vor dem Tod" bezeichnet. Oder mit den Worten eines Dichterfürsten:| Und solang du das nicht hast, Dieses: Stirb und werde! Bist du nur ein trüber Gast Auf der dunklen Erde. Johann Wolfgang von Goethe
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Moment mal. Ist das "durch den Tod gehen" nicht Jesus vorbehalten? Nun, das haben uns die eifrigen Statthalter von Krieg und Egoismus schon seit Jahrtausenden weisgemacht – mit beachtlichem Erfolg. Natürlich geht es nicht um den physischen Tod. Es geht um den Tod eines Gespenstes, das uns von Kindheit an begleitet: der Illusion, die Welt sei so, wie sie uns von Eltern, Lehrern und Medien täglich aufs Neue beigebracht wird. In Indien, wo dieses Phänomen Pragya Parad ("Fehler des Intellekts") genannt wird, hat man den Tod der Illusion (Transzendenz) seit Urzeiten gepflegt und in Yogischen Techniken kultiviert.
Doch weise Worte erhabener Dichter und spiritueller Lehrer konnten das Bollwerk der Verblendung kaum in Bedrängnis bringen. Diese Weisheiten wurden ja stets behutsam in Schubladen aufbewahrt. Doch nun droht der Ignoranzia eine ganz neue Gefahr, ausgerechnet von denen, die sich bislang meist als ihre treuen Knappen hervorgetan hatten – den Wissenschaftlern. Quantenphysik und Gehirnforschung sägen an dem Stuhl auf dem das herschende Weltbild sitzt. Noch halten die Dämme. Doch es zeigen sich immer mehr Risse und der große Dammbruch scheint nur noch eine Frage von wenigen Monaten oder Jahren zu sein.
Doch was kommt danach? Viele Vedische Weise und Quantenphysiker sagen unisono: "eine Welt von unbegrenzten Möglichkeiten". Noch verstecken sich designierte Protagonisten des bevorstehenden Umbruchs als wackere Einzelkämpfer und Überlebenskünstler oder in kleinen Gruppen, Subkulturen und virtuellen Welten, ob bei UFO-Freaks, Computer-Junkies, Lichtarbeitern, Gothics, Weltverschwörungs-Theoretikern, Yogischen Fliegern, Polit-Alternativen, Künstlern, Esoterikern, Mystik-Freaks, Alternativen oder Spirituellen.
Noch ist der Grad an innerer Vernetzung, an Kohärenz nicht genug ausgeprägt, noch sind viele nicht reif genug, um die inneren und äußeren Grenzen zu überwinden. Verständlich, denn der Tod der Illusion, die große Metamorphose, kostet einiges an Stehvermögen und so wärmt man sich gern noch am Ofen bürgerlicher Gemütlichkeit. Über die kleine, häusliche Geborgenheit ist man eigentlich hinausgewachsen, aber die große kosmische Geborgenheit ist noch nicht vollends etabliert. Draußen vor der Tür scheint ein Sturm zu drohen, die Weite der Welt mit all ihren unvorstellbaren Möglichkeiten kann einen ängstigen, denn die Welt ist bizarr.





